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Hier möchte ich über einige musikalische Projekte aus der Vergangenheit berichten, die mich in besonderer Weise beschäftigt und geprägt haben. 

„Klanglichter“

Mit einer Mischung aus Größenwahn, Enthusiasmus und Naivität beschloß ich Anfang des Jahres 2000, das neue Jahrtausend mit einer eigenen Performance zu begrüßen. Am 10.Juni 2000 um 23h war es dann soweit. Mit knapp 20 Musikern und an die 100 Scheinwerfern, wurde in der Bielefelder Süsterkirche die Konzertperformance „Klanglichter“ in die Tat umgesetzt. Nur mit viel Unterstützung von guten Freunden und Förderern war dies möglich. Ein für mich einmaliges und phantastisches Event!

„Die Familie“ , „True Khoisan“ & Ketan Bhattis „Masala“ 

Ende der 90er Jahre begegnete ich bei einer Jazz-Session im Bielefelder Bunker Ulmenwall den Musikern von „Der Familie“. Ein urbanes HipHop- bzw. TripHop-Projekt, das sich in der Bielefelder Szene bereits einen Namen gemacht hatte. Aus anfänglicher Neugier und Sympathie, wuchs schnell eine jahrelange enge musikalische Zusammenarbeit und Freundschaft. Das experimentieren mit Melodien, Flächen und Dynamik über fetten HipHop und Drum`n Bass Grooves, war für mich ein wunderbares musikalisches Spielfeld.

Wenige Jahre später „enterten“ 2 Musiker aus Zimbabwe „Die Familie“ und gemeinsam wurde daraus the „True Khoisan“ – ein aus Zimbabwe (sozusagen) importiertes African Roots Reggae-Projekt. Energiegeladen, melodisch und tanzbar. Viele schöne und unvergessene Gigs folgten.

      2004 produzierte Ketan Bhatti („Die Familie“/“True Khoisan“) seine erstes eigenes Album „Masala“. Viele Musiker von  „Die Familie“ sind darauf vertreten. Ein wunderschöner, sphärischer Mix aus TripHop, Breakbeats & Jazz.

„Der Kirschgarten“

Meine erste Produktion als Schauspiel-Musiker (Klarinette) am Bielefelder Stadttheater (2006). Unter der musikalischen Federführung von Patrick Schimanski, begleitete ich musikalisch, gemeinsam mit Patrick Cybinski (Cello) und Paul Keller (Drums), die Inszenierung von Tschechows  „Der Kirschgarten“. Zwischen Klezmer und Filmmusik, mit viel Freiraum für Improvisation, Spielfreude und in der Rolle einer jiddischen Band, machte ich hier meine ersten Erfahrungen als Musiker auf einer Schauspielbühne.

„Yuthuma“

Was schon Jahre vorher als loses Experimentieren, gemeinsam mit der Sängerin Anna Mondry und dem Gitarrist Lutz Ebmeier, begann, fügte sich sich im Jahr 2004, mit allen seinerzeit Beteiligten, zu dem Bandprojekt „Yuthuma“ zusammen. Pop auf der Suche nach sich selbst. Eine Mischung an Stilen, Einflüssen, Vorlieben, Erfahrungen und Versuchen, die mich lange Zeit begleiten sollte und bis heute begleitet. Bei diesem Projekt bin ich Musiker in allen Rollen die mir möglich und auch unmöglich sind. Songwriter, Arrangeur, Keyboarder, Pianist, Sänger, Klarinettist, Saxophonist und Produzent. Ein Projekt, das immer unstet war, wie das Meer von dem es berichtet. 2007 entstand die Maxi-Single „yuthuma“.

„Random Voyage“

Vis-à-vis mit dem Gitarristen und Komponisten Vivan Bhatti. Eine musikalische Begegnung der besonderen Art. Mit Zeit und Raum für spielerische Entdeckungen und dem Zusammenspiel von Akustik und Elektronik. Der Computer als Bindeglied von Komposition und Improvisation. Minimalistisch verträumte und raumgreifende Kompositionen und Arrangements, wurden auf dem gleichnamigen Album 2009 veröffentlicht.

„SeraphimSax“

Die Verbindung von barocker Musik und Jazz übt schon lange eine große Faszination auf mich aus. Glücklicherweise fand ich im Jahr 2009 meinen Weg zu den „Westfälischen Saxophonikern“, und kann seitdem in der Kombination beider Musikrichtungen, als Musiker meine Erfahrungen machen. Barock im Jazzgewand! 2010 leistete ich meinen saxophonistischen Beitrag zur Veröffentlich der CD „SeraphimSax“ – eine instrumentale Vertonung von Bachs „Himmelfahrts-Oratorium“ mit jazzigen Ausflügen.

„Reflexionen“

Eine Komposition für Klarinette & Klavier nach einer Grafik von Hermann Rapp. Im Jahr 2014 besuchte mich Hermann Rapp, ein herausragender Künstler in Gestaltung, Typographie und Buchdruck, und eine langjähriger Freund meines Vaters. Er fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, eine seiner jüngsten Arbeiten, die „Reflexionen“, kompositorisch zu verarbeiten. Ich nahm seinen Vorschlag gerne an, und befasste mich zum ersten Mal mit einer ganz und gar mathematischen Weise von Komposition. Zur Erklärung ein Zitat aus einem Brief von Hermann: „… ich legte nicht den Fuß zugrunde, es ist die Hand. Mein Grundmaß ist 300 mal 185 mm. 
300 = Fuß, 185 = Hand. 300 geteilt durch 1,618 (der Goldene Schnitt) = 185 mm. Das läßt sich weiterteilen: 114, 71, 44, 27, 17, 10 … Und mit all diesen Maßen entstanden die Bilder. Und die Abstände zueinander und untereinander. Und eben auch durch meine Phantasie. Aus dem Geist des Ganzen.“ Ich habe für die Komposition seinen Druck als graphische Notation betrachtet und versucht, die Verhältnismäßigkeiten der abgebildeten Elemente in musikalische Parameter wie Metrum und Intervalle zu übersetzen. Zu meinem tiefen Bedauern, verstarb Hermann Rapp noch vor Fertigstellung der Komposition, Anfang 2015.


„Weihnachtsoratorium mit Jazz-Resonanzen“

Im Dezember 2014 wurde in Oldenburg die Bearbeitung von Bachs „Weihnachtsoratorium“ für 9 Saxophone, Pauke, Chor und Solisten uraufgeführt. Unter der Leitung von Landesmusikdirektorin Beate Besser, war es der Startschuss für das Projekt der „Westfälischen Saxophoniker“ und wurde seit dem viele Male mit unterschiedlichen Dirigenten, Chören und Solisten aufgeführt. Auch für 2018/2019 sind weitere Aufführungen geplant. Neben meiner saxophonistischen Tätigkeit, habe ich hier einen konzeptionellen und einen kleinen kompositorischen Beitrag geleistet. Einige Ausschnitte aus der Premiere:

„Es kommt der Tag“

Ein Schauspiel (Monolog) von Carmen Priego über „… die inneren und äußeren Reaktionen eines Mädchens im Ringen um Selbstbestimmung und Respekt.“ Unter der Regie von Nick Westbrock und im Zusammenspiel mit der Schauspielerin Alina Meinold, wurde das Klassenzimmerstück „Es kommt der Tag“ im Jahr 2016 erstmalig am Theater Bielefeld aufgeführt. Mit Bassetthorn und Loopstation habe ich der Inszenierung des Textes eine musikalische und emotionale Komponente hinzugefügt. Es folgten mehrere Aufführungen an Schulen in der Region bis ins Jahr 2018.